Umfassende Informationen über Produktsicherheit und EU-Harmonisierungsvorschriften

Handlungsbedarf hinsichtlich Sicherheitsanforderungen an kindergesicherte Feststeller für Fenster und Balkontüren

Letzte Aktualisierung dieses Beitrags vor 12 Jahren

News 2001/95/EGVerbraucherprodukte, die  innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) in Verkehr gebracht werden, und für die es keine spezifischen EG-Richtlinien hinsichtlich grundlegender Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen gibt (so genannte CE-Richtlinien), müssen die Anforderungen der Richtlinie 2001/95/EG  erfüllen. Die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der EG-Richtlinien werden durch ein Mandat der EU-Kommission von den Europäische Normenorganisationen (CEN, CENELEC) erarbeitet und als harmonisierte Norm im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Stellt die EU-Kommission aufgrund von Untersuchungen, Studien, aktuelle Anlässe usw. ein Sicherheitsdefizit  fest (z. B. aufgrund häufiger Unfälle, Gesundheitsschäden, Sachschäden) und stellt außerdem fest, dass harmonisierte Sicherheitsnormen fehlen oder unzureichend sind, legt sie eigene Sicherheitsanforderungen fest (durch eine „Entscheidung“ oder einen „Beschluss“) und beauftragt die europäischen Normungsgremien entsprechende europäische Normen zu ändern oder neu festzulegen, die dann gewährleisten, dass Produkte die allgemeinen Sicherheitsanforderungen der Richtlinie 2001/95/EG erfüllen.

Bei Kindern: Gefahr des Absturzes aus großer Höhe
Stürze aus großer Höhe, z. B. aus Fenstern oder von Balkonen, sind bei Kindern unter fünf Jahren eine der häufigsten Ursachen von Unfällen mit Todesfolge oder dauerhaften Gehirn- oder Skelettschäden. Als besonders akut erweist sich diese Problemstellung in dicht bebauten städtischen Gebieten mit ihren vielen mehrgeschossigen Wohngebäuden, und zwar speziell im Frühjahr und im Sommer, wenn Fenster über längere Zeiträume geöffnet bleiben.

Bauvorschriften für Fenster, Türen und anderen Geländer, Gitter und anderen Schutzvorrichtungen
Zur Reduzierung bzw. Verhütung von Stürzen aus großer Höhe gelten für die Größe von Fenstern sowie für das Vorhandensein und die konstruktiven Merkmale von Geländern, Gittern und anderen Schutzvorrichtungen bestimmte Anforderungen. Diese sind in der Regel in na­tionalen Bauvorschriften festgelegt, die in europäischen Staaten unterschiedlich sind.

Fehlende Sicherheitsnormen für Feststeller für Fenster und Balkontüren
Im Handel angeboten werden auch Vorrichtungen zur Arretierung oder Sicherung der Öffnung eines Fensters oder einer Balkontür in einer bestimmten Spaltstellung. Vorrichtungen dieser Art werden vom Verbraucher unmittelbar am Fenster oder an der Balkontür angebracht. Für die fraglichen Vorrichtungen gibt es bislang keine europäischen Sicherheitsnormen.

EU-Kommission sah Handlungsbedarf
Aufgrund zahlreicher tödlicher Unfälle bei Kindern wurden von der EU- Kommission eine Studie in Auftrag gegeben zur Überprüfung der Sicherheit an Feststellern für Fenster und Balkontüren. Dabei wurden nachstehende Mängel festgestellt:

  • konnten entsichert werden, obwohl sie angeblich kindersicher sein sollten
  • gingen bei Versuchen zu Bruch oder hatten keine Altererungsbeständigkeit
  • es fehlten die grundlegenden Anweisungen

Aufgrund dieser festgestellten Mängel wurden von der EU-Kommission gemäß Beschluss vom 7. Januar 2010 für derartige Feststeller Sicherheitsanforderungenn festgelegt zur Gewährleistung nachstehender Ziele:

  • kindersicher
  • konstruktive Funktionsfähigkeit während ihrer gesamten veranschlagten Lebensdauer
  • Alterungs- und Witterungsbeständig
  • Beigabe von klaren Benutzeranleitungen und Gebrauchsinformationen.

Die Vorgaben gelten nur für Feststellvorrich­tungen, die der Verbraucher selber an Fenstern und Balkontüren anbringt, da Schließvorrichtungen, die in Fenster- oder Balkontürrahmen fest eingebaut sind, durch die Bauprodukterichtlinie abgedeckt sind.

Die EU-Kommission hat die Europ. Normenorganisation CEN beauftragt hierzu entsprechende Normen zu erarbeiten und die im Anhang des Beschlusses festgelegten Sicherheitsvorschriften zu berücksichtigen.

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