Fachportal: CE-Richtlinien und CE-Kennzeichnung

Gefahr durch unsichere Haartrockner

News 2001/95/EGImmer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen im Zusammenhang mit der Benutzung von handgeführten Haartrocknern. Dabei sind sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen. In einer durch die BAuA veröffentlichten Schrift werden die Ergebnisse aus einem Gutachten zusammengefasst.

Untersuchung der Unfälle mit handgeführten Haartrockner
Im Rahmen des Gutachtens wurden Unfälle in Deutschland mit Haartrocknern aus verschiedenen Quellen untersucht z. B. GBE-Datenbank sowie aus Recherchen und Berichten. Außerdem wurde Unfälle aus weiteren europäischen Ländern sowie Unfälle in USA und Australien untersucht.

Ermittlung und Bewertung der heute am Markt erhältlichen sicherheitstechnischen Lösungen bei Haartrocknern
Bei den sicherheitstechnischen Betrachtungen des handgeführten Haartrockners werden Maßnahmen des Schutzes gegen elektrischen Schlag ausführlich untersucht. Die derzeitige sicherheitstechnische Lösung dieses Schutzes im Haartrockner für Europa wird in diesem Gutachten kritisch betrachtet. Da gegenwärtig die Sicherheitsvorkehrung Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD) der elektrischen Anlage des Gebäudes in das Sicherheitskonzept des Haartrockners einbezogen ist, wurden die Ausrüstung von Gebäuden mit diesem Gerät und seine Restrisiken geprüft. Eine weitere Möglichkeit zur Senkung des Gefährdungspotentials des elektrischen Stroms – gepolte Haushaltssteckverbindungen – wird ebenfalls in dieser Veröffentlichung beschrieben. Außerdem wird gezeigt, dass in den USA schon jetzt bessere technische Lösungen des Schutzes gegen elektrischen Schlag für den Haartrockner als in Europa angewendet werden.

Anforderungen an die Sicherheit
Die Anforderungen an die Sicherheit der Haartrockner sind in der EU durch die Niederpannungsrichtlinie 2001/95/EG festgelegt. Danach müssen die auf dem EU-Binnenmarkt erhältlichen Haartrockner mit der CE-Kennzeichnung versehen sein. Diese zeigt an, dass der Hersteller oder Importeur alle für das Gerät geltenden rechtlichen und technischen Bestimmungen in Europa eingehalten hat. Vielfach sind Haartrockner zusätzlich mit Sicherheitszeichen wie z. B. GS-Zeichen – „Geprüfte Sicherheit“ versehen. Die GS-Zertifizierung setzt u. a. voraus, dass die Übereinstimmung des Gerätes mit den Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen von einer unabhängigen Prüfstelle geprüft worden ist.

Ein Haartrockner muss die Bestimmungen des ProdSG erfüllen:

  • § 3 (1) Ziff. 2 … ein Produkt darf nur auf dem Markt bereitgestellt werden, wenn es die Sicherheit und Gesundheit von Personen … bei bestimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung nicht gefährdet.

und

  • § 4 (2) Ziff. 4 es sind insbesondere zu berücksichtigen die Gruppen von Verwendern, die bei der Verwendung des Produkts stärker gefährdet sind als andere. Ein Haartrockner, der dem Verbraucher zur Verfügung gestellt wird, muss diese Anforderungen erfüllen.

Besondere Gefährdung durch die Anwesenheit von Wasser
Bei der gewöhnlichen Benutzung eines Haartrockners im Badezimmer muss mit der Anwesenheit von Wasser, auch Spritzwasser und Kondensat, gerechnet werden. Bei Einwirkung von Feuchtigkeit geht von einem Haartrockner eine Brandgefährdung aus, wenn er an der Steckdose angeschlossen ist. Die Feuchtigkeit kann einen Kurzschluss verursachen, das Gerät überhitzt sich und fängt an zu brennen – selbst wenn das Gerät ausgeschaltet ist. Ein an der elektrischen Anlage angeschlossener Haartrockner kann auch in der Schalterstellung „AUS“ je nach Steckerposition unter Spannung stehen.
Wenn ein Haartrockner ins Wasser fällt, entsteht die Gefährdung des elektrischen Schlags für eine Person, wenn sie das Gerät oder das Wasser und gleichzeitig eine niederohmige Verbindung zur Erde (z. B. einen geerdeten Gegenstand wie den Wasserhahn) berührt. Weil die gegenwärtig in der EU üblichen Haartrockner, die den harmonisierten Normen DIN EN 60335-1(VDE 0700-1):2010-11 und DIN EN 60335-2-23(VDE 0700-23):2009-02 (Produktnorm) entsprechen, haben den Schutzgrad IP 20. Das bedeutet, dass diese Geräte keinen Schutz gegen Eindringen von Wasser besitzen.

Ermittlung und Bewertung der verfügbaren technischen Lösungen
Der Haartrockner, auch Föhn oder Luftdusche genannt, ist ein elektrisches Gerät, das zum Trocknen nasser Haare bestimmt ist. Sein überwiegender Einsatzort ist das Badezimmer. Für den häuslichen Gebrauch stehen Haartrockner mit unterschiedlichen Aufsätzen und in verschiedenen Leistungsklassen mit Leistungen von 400 Watt bis 2400 Watt zur Verfügung.

Beim bestimmungsgemäßen Gebrauch in trockenen Räumen sind die in der Produktnorm DIN EN 60335-2-23 festgelegten Schutzmaßnahmen wirksam. Beim gewöhnlichen Gebrauch des Haartrockners im Badezimmer besteht auf Grund der langen Anschlussleitung die Möglichkeit des unmittelbaren Kontakts des Haartrockners mit Wasser. Damit entsteht die erhebliche Gefahr des elektrischen Schlags für den Benutzer und Dritte, weil durch das Eindringen von Wasser die normativen Schutzmaßnahmen unwirksam werden. Da derzeit die Ausführung des Haartrockners für Hausgebrauch durch die Produktnorm in der Schutzklasse I nicht vorgesehen ist, kann der Schutzleiter für die Bildung einer eigenen Schutzmaßnahme im Gerät nicht verwendet werden. Dem möglichen Eindringen von Wasser und seinen Folgen wird in der Produktnorm nur mit einem Warnhinweis begegnet. Damit wird die Anforderung des ProdSG § 3 (2), dass ein Produkt „die Sicherheit und Gesundheit von Personen … bei bestimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung nicht gefährden“ darf, bei der Gefährdungsbeurteilung nicht berücksichtigt. Der Haartrockner besitzt auf Grund seiner technischen Konstruktion eine Schutzart, die nur bedingt ihre Schutzfunktion erfüllt. Gemäß dem ProdSG und den bekannten Todesfällen bei der Benutzung des Haartrockners ist dieser als ein gefahrbehaftetes Produkt anzusehen.

Lösungsvorschläge
In der Veröffentlichung werden Lösungsvorschläge abgeleitet, um die Sicherheit von Haartrocknern zu erhöhen.

 

Weiterführende Informationen

Zum Download der BAuA-Veröffentlichung: Sicherheit von Haartrocknern
Produktsicherheitsrichtlinie
2001/95/EG
Produktsicherheitsrecht – Zeitpunkt des Inverkehrbringens
Fachbeitrag: An welchen Produkten darf ein GS-Zeichen angebracht werden?

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Categorised in: Aktuell, News

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