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Maschinensicherheit: EU-Kommission verpflichtet die Mitgliedstaaten zum Verbot des Inverkehrbringens von Schneidwerkzeugen

Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Mit  einem Beschluss vom 19. Januar 2012  der EU-Kommission werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, ein Verbot  des Inverkehrbringens von schlegelartigen Schneidewerkzeugen für tragbare handgeführte Freischneider/Motorsensen durchzusetzen. In der Vergangenheit kam es bereits zu einem tödlichen Unfall mit einem schlegelartigen Schneidwerkzeug für Freischneider/ Motorsensen, bestehend aus zwei an einer Metallscheibe befestigten Ketten. Während der Verwendung eines Frei­schneiders/einer Motorsense, der/die mit einem solchen Schneidwerkzeug bestückt war, wurde ein Kettenglied herausgeschleudert und verletzte eine umherstehende Per­son tödlich.

Bei schlegelartigen Schneidwerkzeugen für Freischneider/ Motorsensen, die gesondert in Verkehr gebracht werden, um von der Bedienperson an einen Freischneider/eine Motorsense montiert zu werden, und die nicht von der Risikobeurteilung erfasst sind und für die es keine EG- Konformitätserklärung und keine Benutzungshinweise des Herstellers des Freischneiders/der Motorsense gibt, handelt es sich um auswechselbare Ausrüstung im Sinne von Artikel 2 Buchstabe b der Richtlinie 2006/42/EG.

Gemäß Anhang I Nummer 1.3.2 der Richtlinie 2006/42/EG über die Bruchgefahr beim Betrieb müssen die verschiedenen Teile der Maschine sowie die Verbin­dungen untereinander den Belastungen während der Ver­wendung standhalten können. Wenn trotz der ergriffenen Maßnahmen das Risiko des Berstens oder des Bruchs von Teilen weiter besteht, müssen die betreffenden Teile so montiert, angeordnet und/oder gesichert sein, dass Bruch­stücke zurückgehalten werden und keine Gefährdungs­situationen entstehen. Gemäß Anhang I Nummer 1.3.3 der Richtlinie über Risiken durch herabfallende oder he­rausgeschleuderte Gegenstände müssen Vorkehrungen ge­troffen werden, um das Herabfallen oder das Heraus­ schleudern von Gegenständen zu vermeiden, von denen ein Risiko ausgehen kann.

Die harmonisierte Norm für tragbare handgeführte Frei­schneider/Motorsensen und Trimmer mit Antrieb durch Verbrennungsmotor, EN ISO 11806:2008, enthält tech­nische Vorschriften und Prüfungen, mit denen für eine ausreichende Festigkeit der Schneidwerkzeuge und eine Verringerung der Risiken durch weggeschleuderte Ob­jekte gesorgt werden soll. In der Norm sind keine Schneidwerkzeuge vorgesehen, die aus mehr als einem Metallteil bestehen. Zwar ist die Anwendung der harmo­nisierten Norm freiwillig, doch gibt die Norm den Stand der Technik vor, der zu berücksichtigen ist, wenn die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanfor­derungen der Richtlinie 2006/42/EG gemäß den in der Einleitung zu Anhang I der Richtlinie 2006/42/EG ge­nannten allgemeinen Grundsätzen angewendet werden.

Bei der Verwendung von schlegelartigen Schneidwerkzeu­ gen mit verbundenen Metallteilen ist das Restrisiko eines Bruchs beim Betrieb und des Herausschleuderns von Ge­genständen wesentlich höher als bei einteiligen Metall­schneidwerkzeugen. Die Metallteile von schlegelartigen Schneidwerkzeugen und ihre Verbindungen unterliegen wiederholten starken mechanischen Beanspruchungen, wenn sie mit Steinen, Felsen und anderen Hindernissen in Berührung kommen und sind anfällig dafür, auseinan­derzubrechen und bei hoher Geschwindigkeit heraus­geschleudert zu werden. Auch ist bei ihnen die Wahr­scheinlichkeit größer, dass sie Steine mit höherer Energie herausschleudern als einteilige Metallschneidwerkzeuge. Die an tragbaren handgeführten Freischneidern/Motorsen­sen angebrachten Schutzeinrichtungen können keinen angemessenen Schutz vor den größeren Risiken bieten, die von schlegelartigen Schneidwerkzeugen mit verbun­denen Metallteilen ausgehen. Folglich kann unter Berück­sichtigung des Stands der Technik bei schlegelartigen Schneidwerkzeugen für tragbare handgeführte Freischneider/Motorsensen nicht davon ausgegangen werden, dass sie die Anforderungen von Anhang I Nummern 1.3.2 und 1.3.3 der Richtlinie 2006/42/EG erfüllen. Dadurch ergibt sich für die Benutzer und andere gefährdete Per­sonen ein erhebliches Risiko von schweren oder tödli­chen Verletzungen.

Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, bis zum 30. April 2012 diesen Beschluss durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen, damit diese schlegelartigen Schneidewerkzeuge nicht mehr Inverkehr gebracht werden.

Weiterführende Informationen

Beschluss der EU-Kommission vom 19. Januar 2012

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